Wissenschaft soll neutral sein. Das gilt auch für den Schreibstil. Deshalb sind Formulierungen mit "ich", "wir" oder "man", bis auf wenige Ausnahmen, nicht gerne gesehen. Ich verrate Ihnen, was Sie beachten sollten.

 

Ist in englischen Publikationen das "we" eine gängige Form, werden in der deutschen Wissenschaft bis heute neutrale Formulierungen bevorzugt. Sie sollen die Objektivität der Forschung unterstreichen (ob das wirklich so ist, sei mal dahingestellt). Der Autor tritt dabei hinter das Thema zurück.

 

 

Statt:

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit XY.

In der vorliegenden Arbeit beschäftigen wir uns mit XY.

 

Lieber:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit XY.

 

Passiv als Mittel der Wahl?

Vor allem, wenn es sich nur um einen einzelnen Autor handelt, gilt in der deutschen Wissenschaft die wir-Form als verpönt. Zwar können Sie argumentieren, dass "wir" den Leser mit einbezieht. Dennoch gilt: Greifen Sie lieber auf andere Satzkonstruktionen zurück. Dabei ist das Passiv nicht immer das beste Mittel der Wahl. Denn Passiv-Sätze wirken leicht schwerfällig, so dass Sie lieber eine aktivere Satzform nehmen sollten:

 

Statt:

In der neusten Literatur (Müller 2012, Meyer 2013) ist zu lesen, dass ...

In der neusten Literatur (Müller 2012, Meyer 2013) heißt es, dass ...

 

Lieber:

Müller (2012) und Meyer (2013) stellen fest, dass ...

 

Um Passivkonstruktionen zu umgehen und Aussagen trotzdem allgemeingültig klingen zu lassen, verwenden einige Autoren auch gerne Formulierungen mit "man". Damit bewegen Sie sich aber auf dünnem Eis. Denn man-Sätze täuschen oft nur vor, eine allgemeine Aussage zu sein.

 

Statt:

Man geht davon aus, dass ... (Müller 2012, Meyer 2013)

 

Lieber:

Müller (2012) und Meyer (2013) gehen davon aus, dass ...

 

Als problematisch empfinde ich es vor allem, wenn in der Arbeit öfter die Perspektive gewechselt wird. Schreiben Sie erst "ich" und später "der Verfasser" (obwohl Sie das ja auch selber sind) kann das leicht zu Verwirrung beim Lesen führen.

 

Ausnahmen bestätigen die Regel

 

Doch es gibt natürlich Ausnahmen. So ist es in empirischen Arbeiten manchmal kaum möglich, die eigene Person aus der Arbeit "herauszuhalten". Führt ein Pädagogik-Student beispielsweise eine Unterrichtseinheit durch und befragt anschließend die Kinder zu Thema XY, dann klingt es eher seltsam, wenn er in diesem Fall durchgängig von "der Autor" oder "der Interviewer" spricht oder gar Passiv nutzt. Auch eine Beschreibung der persönlichen Motivation für das Thema, eine Reflexion oder eine eigene Meinung im Fazit lassen sich kaum neutral formulieren. Und das ist auch nicht wünschenswert.

 

Aller Neutralität zum Trotz: Wissenschaftlich Schreiben muss aber nicht heißen, sich hinter komplizierten Formulierungen zu verstecken. Eine neutrale, aktive Sprache, einfache Satzkonstruktionen und nur wohl dosierte Fremdwörter erhöhen das Lesevergnügen - und damit die Chance auf eine zufriedene Leserschaft und eine gute Bewertung.